Psychotherapie oder Coaching?

Immer wieder werde ich im Rahmen des Erstgespräches gefragt: „Ist Coaching oder Psychotherapie das Richtige für mich?“

Am Ende des Erstgespräches kann ich dazu eigentlich immer Auskunft geben.

Gerne möchte ich dazu die allgemeinen Unterschiede zwischen den beiden Angeboten erläutern.

Psychotherapie
Die  gesetzlich geregelte Ausbildung an einer der vielen Ausbildungsstätten  in Österreich, umfasst das Propädeutikum als Grundausbildung, und das  anschließende Fachspezifikum. Alles in allem dauert die Ausbildung  zur/zum Psychotherapeut/in mindestens 5 Jahre, und umfasst folgende  Lerninhalte:

– 1.100 Theoriestunden
– 300 Stunden Selbsterfahrung
– 1.500 Stunden Praktikum
– 600 Stunden in der Arbeit mit Klient/innen als Psychotherapeut/in in Ausbildung unter Supervision
-150 Stunden Supervision

In  Österreich ist eine Vielzahl unterschiedlichster psychotherapeutischer  Methoden zugelassen. Zu den in Österreich bekanntesten Psychotherapierichtungen zählen: Kognitive Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und systemische Familientherapie, um nur einige zu nennen.

PsychotherapeutInnen sind in der Lage psychische Krankheiten zu diagnostizieren und behandeln Menschen, die einen Leidensdruck verspüren. Das können starke  Ängste, wie Versagens- und oder Verlustängste, traumatische Erlebnisse,  Symptome einer Depression, wie Schlafstörungen, verminderter Antrieb und Gefühle der Traurigkeit, oder vieles mehr sein.
Der/die Psychotherapeut/in reflektiert mit der/dem Klient/in welche Probleme im  Vordergrund stehen, was die Auslöser dafür waren, was die Belastungen aufrechterhält, und gibt Anreize diese anders als bisher zu lösen, bzw. das eigene Verhalten zu ändern. Darüber hinaus lernt der/die Klient/in die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Persönlichkeitseigenschaften für den Veränderungsprozess zu nutzen.

Bei krankheitswertigen Diagnosen kann bei der zuständigen Krankenkasse, eine Teilrefundierung der Kosten beantragt werden. Darüber hinaus stehen einige, wenige vollfinanzierte Kassenplätze zur Verfügung. Psychotherapie wird bei allen österreichischen Krankenkassen als Therapie bzw. Heilverfahren anerkannt.

Coaching
Im Gegensatz zur Psychotherapie ist Coaching nicht gesetzlich reglementiert. Jeder, der dies möchte, kann sich „Coach“ nennen – es  braucht eigentlich keine spezifische Qualifikation. Anders als Coaching  ist die Psychotherapie eine gesetzlich geschützte Profession.

Der Begriff „Coach“ ist, nicht gesetzlich geschützt, und es gibt keine einheitlich geregelte Ausbildung, in Hinblick auf die Dauer und die Inhalte, die gelehrt werden. Es besteht jedoch eine Fülle an Ausbildungsangeboten. Die Dauer variiert zwischen 2 Tagen bis zu mehreren Monaten in Form von Lehrgängen.

Coaching ist meines Erachtens ein lösungs- und zielorientiertes Begleiten, wobei der Themenfokus eher im beruflichen Kontext zur Anwendung kommen sollte. Vordergründig geht es um spezifische Problemstellungen, wie die Konfrontation mit einer neuen Rolle, von der Kolleg/n zur/zum Chef/n, von dem Gefühl der Ausgrenzung bis hin zum Mobbing, dem Wunsch sich beruflich zu verändern sowie um den Ausbau der eigenen Ressourcen und Kompetenzen in der Arbeit.

Die/der  Coach begleitet ihre/seine Klient/innen vom Ist- zum Soll-Zustand, was  voraussetzt, dass der Weg zum Ziel erkannt wird. Das bedeutet, dass die/der Coach als eine Art „Berater/in“ agiert, nimmt den Coachee „an der Hand“ und hilft ihr/ihm, anhand von verschiedenen Techniken ihren/seinen neuen Platz zu sehen und zu finden.

Im Rahmen des Coachings können keine Kosten bei den Krankenkassen teilrefundiert werden.

Tipp: Entscheiden Sie erst nach einem Erstgespräch, ob Sie ein gemeinsames  Arbeitsbündnis zwischen dem/der Coach oder Psychotherapeut/in beginnen wollen. Wenn Sie sich bei der Person nicht wohlfühlen, werden Sie weder im Rahmen eines Coachings noch in einer Psychotherapie Erfolge bzw. Besserung erzielen.

Sollten Sie sich für ein Coaching entscheiden, überprüfen bzw. hinterfragen Sie die Qualifikation.
Veröffentlicht in Blog.